Das Feuer war für die Menschheitsentwicklung wohl die größte Entdeckung und dennoch auch immer die größte Gefahr. Die Bekämpfung war daher immer eine ureigene Sache der Bürgerschaft einer Stadt. Welche Schäden eine Feuersbrunst anrichten konnte, zeigt uns die Bilanz des großen Bornaer Stadtbrandes vor über 350 Jahren am 5. August 1668: 90 Häuser, 11 Kellerhäuser, 6 Malzhäuser und das Rathaus wurden vernichtet. Damit lagen fast ¾ der Wohnhäuser der Stadt Borna in Schutt und Asche. Um solche Schäden in Zukunft zu vermeiden wurde 1686 bzw. 1717 eine Feuer-Ordnung erarbeitet. 1710 erfolgte dann der Kauf einer ersten Feuerspritze. Diese hatte ein Fassungsvermögen von ¼ Fass Wasser und kostete 220 Thaler. Doch diese war bei Weitem nicht ausreichend.
Als Vorläufer der Feuerwehr kann man die Gewitterwache bezeichnen. Am 10. Mai 1747 legte der Bornaer Stadtrat eine solche fest. 50 Bürger hatten sich abwechselnd dazu Tag und Nacht einzufinden. Bei nicht erscheinen gab es eine Strafe von 10 Groschen. Teile der Gewitterwache hielten sich im Gasthof „Zimmerhof“ auf. Jedoch waren auch zwei auf dem Kirchturm, zur Unterstützung des Türmers, abgestellt.
Mit der Zeit setzte sich in Deutschland die Erkenntnis durch, dass nur durch eine wohlgeübte, disziplinierte Wehr Brände bekämpft werden können. Aus diesem Grund schlugen einzelne Bürger von Borna 1869 die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr vor. Am 24. April 1869 erschien dazu ein Aufruf, dem nach konnten alle „that und willenskräftige Männer unserer Stadt“ beitreten. Mit der Verabschiedung eines Statutes kam es am 28. November 1869 zur offiziellen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Borna. In diesem Statut stand unter anderem: „Sie ist bestimmt zur Unterdrückung von Schadensfeuern im Bezirk der Stadt Borna und in den ihr zunächst gelegenen Orten Altstadt-Borna, Haulwitz und Gnandorf, sowie die Rettung von Personen und Eigentum bei solchen mitwirken, außerdem aber auch in Fällen, wo nach Ansicht des Stadtrates Feuergefahr zu befürchten ist, auf des letzteren Verlangen Wachdienste zu verrichten.“ Bei der Gründung bestand die Wehr aus 88 Mann aufgeteilt in drei Züge: 1. Zug, Seilermeister Schade; 2. Zug, Brauereibesitzer Eduard Kunze; 3. Zug, Buchdruckereibesitzer Albert Reiche; Kommandant: Carl Treiber; stellv. Kommandant, Zimmermeister Rose; Ärzte: Dr. Naumann und Dr. Möckel; Spritzen- und Schlauchmeister, Schlossermeister Schramm sowie Zahlmeister, Kaufmann Giebelhausen. Die städtische Sparkasse stellte aus ihren Überschüssen 540 Thaler für Ausrüstung zur Verfügung.

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Kommandant Carl Treiber, 1877

Karl Treiber, der Zwischenzeitlich auch Vorsitzender des Gewerbevereins war, blieb bis 1876 Kommandant. Im Dezember 1879 wanderte er nach Amerika aus. Sein Nachfolger wurde für drei Jahre Bürgermeister Carl Heinrich bis Karl Steudte bzw. Stadtrat Carl Hofmann das Kommando übernahmen.

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II. Zug der freiwilligen Feuerwehr Borna, 1894

Um die Gerätschaften ordnungsgemäß unterzubringen wurde 1873 ein Spritzenhaus mit Wohnung und Nachtwächterlokal in der Inneren Altenburger Straße (heute: Bahnhofstraße) errichtet. Dabei handelt es sich um das Areal an der Sparkasse im Kreuzungsbereich zur Mühlgasse. Ein Jahr später kam auch ein Steigerturm mit Turnplatz in der damaligen Turnerstraße (heute: oberer Teil der Sachsenallee) dazu. Hier konnten dann Feuerwehrübungen durchgeführt werden. Das Steigerhaus wurde später dann am Platz neben der Reithalle am Breiten Teich verlegt. Die Bornaer Feuerwehr hatte zu diesem Zeitpunkt eine Saug- und Druckspritze, eine Landspritze die von acht Mann bedient werden konnte, eine Karrenspritze zum Abprotzen und dazu kam 1877 eine Zubringerspritze (Hydrophor) von der Firma Jeuch aus Leipzig. Des Weiteren hatte man verschiedene Leitern, 1150 m Schläuche, 60 Paar Verschraubungen, 20 Schlauchbinden und natürlich Uniformteile (Blusen, Helme, Gürtel, Steigerzeuge, Nothaken usw.).

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Löschübung am Steigerturm, 1875

Die Notwendigkeit einer Feuerwehr zeigte sich recht bald. Der erste aktenkundige Feuerwehreinsatz war am 4. November 1870 als sieben Scheunen in Borna abbrannten. Schon bald merkte man, dass die Wasserzufuhr in der Stadt mangelhaft war. Noch immer musste das Wasser aus der Wyhra oder den alten Brunnen im Stadtgebiet entnommen werden. Das änderte sich erst 1894 mit der Errichtung der neuen Wasserleitung. In diesem Zusammenhang wurden auch Hydranten an vielen Stellen der Stadt errichtet. Natürlich wurde auch immer wieder die Technik auf den neuesten Stand gebracht. So erhielt die Wehr 1897 eine ausziehbare Stützdrehleiter. Bald reichte das alte Spritzenhaus für die umfangreiche Technik nicht mehr aus. Von daher verlegte man 1902 das Gerätehaus nach der Reithalle am Breiten Teich. Des Weiteren wurden drei Depots angelegt. Diese waren zum einen am Königsplatz (Textilreinigung Weinige), in der damaligen Polizeiwache am Markt (Tourismusinformation) und eins in der Bahnhofstraße 35 beim Baumeister Eichler, der zu dieser Zeit auch Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war. Dieser erhielt 1905, im Range eines Branddirektors, neben einem Ehrendiplom für 20jährige Dienstzeit das Königlich Sächsische Ehrenzeichen. Ab 1908 übernahm Druckereibesitzer Reiche das Kommando über die Wehr und ein Jahr später wurde er zum städtischen Branddirektor ernannt.
Um die Wichtigkeit der freiwilligen Feuerwehr noch mal zu verdeutlichen hier einige Einsätze aus der Frühzeit der Kameraden: Brand der Brauerei Kunze in Altstadt-Borna (1876), Brand der Holzmühle (1880), Brand einer Scheune in der Turnerstraße (1888), Eishausbrand in der Teichstraße (1891), Brand des Wilhelmschachtes bei Gnandorf (1899 und 1910) und Brand in der Lohgerberei Goedel in der heutigen Wilhelm-Külz-Straße (1918).
Während des Ersten Weltkrieges werden auch viele Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Borna zum Dienst an der Front eingesetzt. Die Mitgliederzahl sank rapide und die Einsatzkraft ist kaum noch zu gewährleisten. Von daher geht am 29. November 1915 ein Aufruf des Stadtrates an die Bürger, um die Kameraden zu ersetzen. 1916 erfolgt eine Ausbildung zum Feuerwehrdienst für die Schüler des Lehrerseminars. Ob diese bei den Großbränden in den Niederlausitzer Kohlewerk Thräna und im Brikettwerk Regis 1917 eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Bei diesen Bränden zeigte sich aber immer mehr, dass die Freiwilligen Feuerwehren für solche aufkommenden Großbetriebe nicht mehr im Stande waren, das Löschaufkommen zu gewährleisten.
Im Jahre 1919 wurde die Feuerwehr reorganisiert. Die Stadt Borna wurde in vier Löschbezirke eingeteilt. Mit den Erfahrungen aus dem Krieg, musste festgestellt werden, dass auch die Technik immer mehr veraltet war. 1925 beschloss der Stadtrat die Anschaffung einer ersten Motorspritze. Diese wurde am 12. September des gleichen Jahres von der Firma Flader aus Jöhstadt geliefert. Da auch die Depots für die neue Technik zu klein wurden, machte man sich auf die Suche nach geeigneten Möglichkeiten. Fündig wurde man in den ehemaligen Kasernen. Nach der Auflösung des Karabinier-Regiments standen die Stallungen zum Teil leer. 1927 wurde das neue Gerätehaus mit Steigerturm auf dem Gelände der ehemaligen „weißen Kaserne“ eingeweiht. Diese Einrichtung hatte bis 1934 bestand. Danach wurde die Kaserne für die Neueinquartierung der Panzer-Abwehrabteilung (PA) 24 vorbereitet.

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Feuerwache in der ehemaligen Kaserne Borna, um 1932

Im Jahre 1928 erhielt die Wehr einen Automobillöschzug. Kurze Zeit danach wurde auch die Anschaffung einer Autodrehleiter beschlossen. Doch diese Anschaffung brachte Probleme. Ein solcher Ankauf war sehr kostenintensiv und musste wohlüberlegt sein. Die Stadtverwaltung holte sich Angebote bei der Firma Magirius. Doch der Ankauf verzögerte sich, da die Stadträte Einwände hatten. Von daher wurden Drehleitern der Firma Magirius auf dem Markt einem Praxistest unterzogen. Letztendlich kauft man aber keine Autodrehleiter von der Firma Magirius, sondern von Mercedis-Benz.

Ab 1933, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, unterstanden die Feuerwehren der Polizei. Von daher stellte der damalige Wehrleiter Günther 1936 die Feuerwehr unter die Ortspolizeiverwaltung mit allen Disziplinarbefugnissen. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es für die Stadt Borna insgesamt 303 mal Luftalarm. Zu jedem Alarm musste die Freiwillige Feuerwehr Borna mit drei Löschzügen in Bereitschaft stehen. Den größten Einsatz hatte man am 17. März 1945, als nach einem Luftangriff auf die Stadt Borna, neun Wohnhäuser zerstört und 75 beschädigt wurden. Leider mussten bei diesem Luftangriff auch 18 Tote und 7 Schwerverletzte beklagt werden.

Nach 1945 kam es erneut zu einer Neuordnung im Brandschutz. Bis 1950 unterstanden die Freiwilligen Feuerwehren  den Kreisbrandschutz- und Landesbrandschutzämtern. Danach, bis 1956, gehörte man der Deutschen Volkspolizei (VP) an und erst ab dieser Zeit dann wieder der Stadtverwaltung bzw. Rat der Stadt.

Um 1955 entsteht auch eine Arbeitsgemeinschaft (AG) „Junge Brandschutzhelfer“, aus der 1967 die Jugendfeuerwehr hervorgeht. Damit wollte man den Nachwuchs gewährleisten. Auch Frauen können jetzt die Feuerwehr aktiv unterstützen. So dass es nicht lange dauert und es auch eine Frauenabteilung (1964 gegründet) gibt. Ein Hauptaugenmerk für die Feuerwehr ist zunehmend der Brandschutz. So lesen wir in der Festschrift von 1969 anlässlich des 100jährigen Bestehens: „Erziehung zur Vorsicht beim Umgang mit Feuer und Licht, Einhaltung der Baugesetze, Beachtung der Brandschutzbestimmungen, laufende Überprüfungen der Objekte und ähnliche Maßnahmen nehmen eine großen Anteil der heutigen Aufgaben der Wehren ein.“

1953 wurde ein neues Gebäude der Feuerwache mit Schlauchturm in der Röthaer Straße errichtet und der Volkspolizei Abt. F übergeben. Doch dieses Gebäude entsprach schon bald nicht mehr den Anforderungen, wenn man bedenkt das die Freiwillige Feuerwehr Borna einen guten Wagenpark an Löschfahrzeugen vorweisen konnte: ein Tanklöschzug TLF 16 Typ S 4000, ein Löschfahrzeug LF 16 Typ S 4000, ein Löschfahrzeug LF 25, ein Schlauchwagen SKW 12 Typ H3A, ein Beleuchtungsanhänger , ein Niederdruckpumpenanhänger, ein CO2 –Vierflaschengerät-Anhänger, zwei Tragkraftspritzenanhänger TSA, ein Tierhebegerät und ein Schlauchboot. Es dauerte jedoch noch 20 Jahre bis dieses Problem gelöst wurde. 1973 wurde das heutige Gerätehaus unterhalb des Hochhauses errichtet. Dieses Gebäude hatte neben den notwendigen Garagenräumen für alle Fahrzeuge, Räume für die gesamte technische Ausrüstung, Mannschafts- und Schulungsräume sowie sanitäre Anlagen. Dieses moderne Gebäude kostete ca. 350.000 DDR-Mark. Im Jahre 2000/2001 wurde das gesamte Gebäude für rund 1 Mill. DM renoviert.

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Übung auf dem Holzlagerplatz des VEB Holzverarbeitung Borna (ehem. Sägewerk Rinck), 1980

Wenn man bei der Gründung 88 Mitglieder hatte, so ist die Mitgliederzahl nicht wesentlich gestiegen. 1985 waren 115 Männer und Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr. Seit 1990 bis heute konnte die Mitgliederzahl konstant bei etwa 100 gehalten werden. Um einen gesicherten Brandschutz in der Stadt und in den Ortsteilen zu gewährleisten ist die heutige Freiwillige Feuerwehr Borna mit den Ortswehren in Ortsteilen Eula, Zedtlitz, Neukirchen, Wyhra und Thräna zusammengeschlossen. Die Einsätze der Feuerwehr steigen jährlich und neue Aufgabenbereiche kommen dazu. Das neueste Aufgabengebiet für die Wehr Borna ist auch der Unfalleinsatz auf der Autobahn A72 und die Seenotrettung an den neuentstandenen Seen zwischen Borna und Leipzig.

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Brandbekämpfung der Filiale der Volks- und Raiffeisenbank (ehem. BHG Borna) am 7. Februar 1991

 

Fotos Museum der Stadt Borna

   

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