Sie wurde 14. August 1925 als Tochter von Karl und Bella Rose in Borna geboren. Mit ihren Eltern und Geschwistern Manfred, Heinz und Norbert wohnte sie in der Roßmarktschen Straße 32 über dem Bekleidungshaus „Britania“, das ihre Eltern zusammen mit ihrem Onkel Abraham aus Leipzig führten.

Genau wie ihre Brüder besuchte sie die Volksschule. Einmal in Woche erhielten alle Kinder von Rose und Motulsky privaten Religionsunterricht von Eduard Wollheim. Er war Elementarschullehrer an der Carlebachschule in Leipzig.

1938 begann sie eine Lehre bei ihrem Vater. Von ihr stammt ein Augenzeugenbericht zu den Ereignissen am 10. November 1938 in Borna: „Es war der 11. November 1938 (Diese Angabe ist falsch, sie taucht auch später immer wieder auf. Selbst bei der Urteilsverkündung 1947. Vergleiche Artikel im Bornaer Tageblatt; Anm. Thomas Bergner), bei uns zu Hause lief alles sehr aufgeregt herum, meine Eltern sowie Angestellte. Vor unserem damaligen „Kaufhaus Britania“, Rose und Co., gingen an diesem Tage auffälligerweise immer 3 Herren auf und ab, jeden der sich bei uns im Schaufenster etwas ansah, folgte einer dieser Herren, und es war bemerkenswert, das keiner daraufhin zu uns kaufen kam. Diese drei Herren waren, wie wir dann später erfuhren, von der Geheimen-Staats-Polizei aus Borna. Sie sagten zu jedem, dass das Kaufen bei Juden strengstens verboten wäre. Langsam wurde es Nachmittag, und das es dem Winter zuging, sehr früh schon dunkel. Jetzt wurde es immer spannender, bald standen die halben Menschen der Stadt Borna vor unserem Kaufhaus versammelt, meinem Vater wurde es immer unsicherer, er schloss bei uns alles ab und schickte unsere sämtliche ,Arischen Angestellten', nach Hause. Die konnten kaum auf die Straße durchkommen, so dicht standen die Menschen, und warteten auf das was noch alles kommen würde bei dem Judenpogromen. Nun waren wir alle in unserer Wohnung, ungefähr gegen 7 Uhr abends, wurden wir durch einige heftige Beilschläge gegen unsere Wohnungstür gestört.

Mein Vater ging sofort zur Tür und öffnete, vor ihnen standen 8 Nazis, jeder hielt ein großes Beil in der Hand, sie sagten zu meinem Vater: ,Nimm die Schlüssel, öffne sofort dein Geschäft und mache alle Rolläden hoch.' 4 Nazis folgten meinem Vater und die übrigen 4 blieben bei uns in der Wohnung. Meiner Ansicht nach mussten sie alle durch den Garten gekommen sein, der sich hinter unserem Haus befand. Jetzt fing es an, all unsere Sachen wurden durchwühlt und beguckt, da sagte der eine schon ungeduldig zu uns, ,Komm sie alle mit.', wir wollten alle so mit wie wir waren, da sagte ein anderer ganz ironisch zu uns: ,Ziehen sie sich besser etwas über es könnte ihnen sonst kalt sein.' Wir zogen uns noch recht warm an, und nun kam es uns zu Bewusstsein das wir unser Haus jetzt schnellstens verlassen müssen, und richtig 2 Nazis brachten uns die Treppe herunter, und wir gingen nun sicherlich zum letzten mal durch unser Geschäft, hier war schon alles in größter Unordnung gewesen, es roch sehr nach Benzin und einige Ecken schlugen schon Flammen empor. Nun dachten wir unseren Teil, es war einmal!!! Mein Vater war noch daran beschäftigt die Rollläden hochzuziehen, während sich 2 Nazis damit belustigten ein Hocker der Schuhabteilung, nach dem anderen durch die Ladenfenster zu werfen, das es nur so klirrte. Meiner Meinung nach waren in den Ladenräumen20 – 25 Nazis gewesen. Wir mussten nun auf die Straße gehen, und waren unserem Schicksal überlassen, bis auf meinen Vater, der zurückbleiben musste.

Wir wussten gar nicht wo wir bleiben sollten und vorallem war es bitter kalt. All die Menschen standen noch und gafften uns an, einige riefen uns nach wie üblich: ,Judas verrecke!' Die Polizei wusste sich keinen Rat vor den vielen Menschen mehr zu schaffen, sogar der Verkehr musste umgeleitet werden. Ich sah beim Vorbeigehen noch zum letzten mal in unsere Schaufenster der Herrenabteilung, und sah gerade wie die Nazis dieses Fenster am zerschlagen waren, es fiel gerade eine Herrenpuppe die mit Krach zerschmetterte, und von drinnen war das schadenfrohe Gelächter der Nazis bis nach draussen heraus zu hören. Das gab uns den Rest für diesen Abend. Wir gingen nun die Roßmarktsche Straße herunter, da wir in Richtung der Anlagen gehen wollten. Als eine, meine Mutter bekannte Frau uns immer nachging und beim gehen uns ansprach: ,Kommen sie mit zu mir, aber unauffällig.' Wir gingen mit zu ihr, ich glaube es war damals in der Teichstraße gewesen ...“ Man fand bei Frau Oberscheven in der Teichstraße Unterschlupf. Kurze Zeit danach ging sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern nach Leipzig. Am 21. Januar 1942 wird sie zusammen mit ihrer Mutter und den Brüdern nach Riga deportiert. Von hier kommen sie am 4. August 1944 in das KZ Stutthof. Hier muss sie mit eigenen Augen den Tod ihres Bruders und acht Wochen des KZ's vor der Befreiung den Tod ihrer Mutter miterleben. Sie überlebt den Holocaust.

Ab 1945 lebt sie in Hamburg und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und Bruder Norbert. Dabei entsteht ein reger Briefkontakt mit dem Bornaer Bürgermeister Erich Ulbricht. Dabei wollen Augenzeugen gesehen haben das Karl Rose nach dem Krieg in Borna gewesen wäre. Das erweist sich jedoch als Lüge. Ruth Rose wird Mitglied des VVN, um Wiedergutmachungsansprüche geltend zu machen. Doch diese Zerschlagen sich. 1947 ist sie noch mal zu Besuch in Borna. Anfang der 1950er geht sie in die USA.

Das Kaufhaus „Britania“ nach dem Brandanschlag
Abb.: Das Kaufhaus „Britania“ nach dem Brandanschlag, Aufnahme vom 11.11.1938

 

Quellen:

Paul Weischet, Judenverfolgung (am speziellen Beispiel von Borna), 2001 (Facharbeit);

Briefverkehr Ruth Rose / Bürgermeister Erich Ulbricht 1945-1950 (Nachlass Ulbricht, Museum Borna);

www.zug-der-erinnerung.de - Ausarbeitung von Sandra Münch (Borna); Foto: Gedenkstätte für Zwangsarbeiter Leipzig