In letzter Zeit wird viel über die Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland gesprochen und diskutiert. Das mag auch alles richtig sein, jedoch wird dabei immer vergessen, dass für den jeweiligen Standort, das Militär ein wirtschaftliches Standbein war und auch heute noch ist. Jedes Medaille hat zwei Seiten. So war es auch für Borna ein wirtschaftlicher Einbruch als 1919 das Kgl. Sächs. Karabinier-Regiment aufgelöst wurde.
Die Kasernen wurden zu Wohnungen und Ansiedlungen von Kleinstfirmen zweckentfremdet. Handwerker wie Sattler, Schuster und Schmiede, die vom Regiment abhängig waren, hatten noch mehr unter der Wirtschaftskrise zu leiden.

Von daher ist es nicht verwunderlich, dass 1935 in der Stadt ein Jubel ausbrach, als durchsickerte das in Borna eine Panzer-Abwehrabteilung aufgestellt wird. Das diese wieder zur Vorbereitung eines neuen Krieges aufgestellt wurde, ist leider die andere Seite der Medaille.

Schon Mitte 1934 wurde die Kaserne geräumt und mit der Renovierung begonnen. Die Pferdeställe des ehemaligen Karabinier-Regiments wurden zu Garagen umgebaut. Zur gleichen Zeit übten ein motorisierter Verband in Magdeburg das Planspiel „Neuaufstellung“.

Mit einem Landmarsch der 1. Kompanie, als Stammeinheit der neuen Panzer-Abteilung 24, von Magdeburg nach Borna hielt am 15. Oktober 1935 das Militär wieder Einzug in der Kaserne. Die neuaufgestellte Panzer-Abwehrabteilung 24 bestand aus Teilen der Kraftfahrabteilung 4 der Reichswehr aus Magdeburg bzw. Leipzig, dem Reiter-Regiment 9 aus Fürstenwalde und dem Reiter-Regiment 10 aus Züllichau (Sulechów). Erster Regimentskommandeur wurde Major Hennig von der Panzer-Abwehrabteilung 10.

Am 1. November 1935, mit Einführung der Wehrpflicht, zogen die ersten Rekruten in Borna ein. Es wurden drei Kompanien aufgestellt. Für die 3. Kompanie wurde extra eine neue Unterkunft hinter der ehemaligen „Roten Kaserne“ errichtet, deren Bau 1936 abgeschlossen war. Damit hatte die Abteilung seine komplette Kampfstärke erreicht. Am 19. April 1937 erhielt die Panzer-Abwehrabteilung 24 durch den Kommandierenden General des IV. Armeekorps, General der Infanterie List, eine neue Standarte verliehen.

Einsatzübung (Festnahme) auf der Bornaer Kippe, 1936
Einsatzübung (Festnahme) auf der Bornaer Kippe, 1936

Appell auf dem Kasernenhof, 1937
Appell auf dem Kasernenhof, 1937

Um auch zu sportlichen Ruhmestaten zu kommen wurde mit dem Befehl 34t/37 am 5. Juni 1937 der Militärsportverein (MSV) Borna gegründet. Speziell gefordert wurde der Fußball, der es letztendlich bis in die höchste Spielklasse, der Gauliga Sachsen, schaffte. Doch der Verdienst des MSV Borna wäre ein Kapitel für sich.

Im Mai 1938 erhielt die Panzer-Abwehrabteilung 24 einen neuen Kommandeur. Oberstleutnant Hennig verließ die Abteilung, für ihn kam Major Ewert. Dieser kam vom Infanterie-Regiment 1 aus Königsberg (Kaliningrad).

Das Jahr 1938 war von der Politik bestimmt. Das war auch im Soldatenalltag zu spüren. Österreich wurde dem Reich angeschlossen, das Großdeutsche Reich war geboren. Augenzeugen berichten das der Kasernenhofdrill immer mehr in den Hintergrund geriet. Geländeausbildung trat in den Vordergrund. Tagtäglich stand die Ausbildung zum Kfz- oder Kradfahrer oder die Ausbildung an Pak und MG auf dem Plan.
Des weiteren fand eine sehr anspruchsvolle Acht-Bergefahrt ins Erzgebirge statt. Nach dem im Oktober 1937 schon eine 4. (Ersatz-) Kompanie aufgestellt wurde, erfolgte im Frühjahr 1938 die Aufstellung einer 5. (Ersatz-) Kompanie. Für diese Ersatzkompanien wurde auf dem heutigen EDEKA-Gelände eine „neue Kaserne“ aus Baracken und einem Appellplatz errichtet. Die Zeichen waren klar.
Österreich sollte nicht der Schlusspunkt, sondern der Anfang einer aggressiven Landnahme sein. Wohin das führte musste allen klar sein. Krieg! Im Sommer 1938 waren große Übungen angesagt. Königsbrück wurde zum zweiten Standort der Panzer-Abwehrabteilung.

Manöver in Königsbrück der Panzerabteilung 24 Manöver in Königsbrück, 1938
Manöver in Königsbrück, 1938

Manöverpause, 1938
Manöverpause, 1938

Es dauerte auch nicht lange und Ausgangsperren waren an der Tagesordnung. Erste Parolen machten den Umlauf. Jeder war über die Münchner Verhandlungen informiert. Derweil lief das Planspiel „Herbstübung der 24. Infanterie-Division“ wie von selbst. In aller Heimlichkeit verließ die Panzer-Abwehrabteilung Ende September die Stadt in Richtung Süden.
Alle Zeichen standen auf Krieg, doch das „Münchner Abkommen“ brachte den angeblichen „Frieden“. Nach diesem Abkommen gehörte das Sudetenland zu Deutschland. In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1938 marschierte auch das Panzer-Abwehrregiment 24 im Sudetenland ein. „Was wir dort am 1. Oktober um 12 Uhr in Eger (Cheb; Anm. Autor) an Begeisterung erlebten, ist mit Worten nicht zu beschreiben.“ (Walter Chr. Müller †)

Nach dem Erreichen der Marschziele über Tachau (Tachov), Marienbad (Mariánské Lázně), Karlsbad (Karlovy Vary) bezog die 24. Division Unterkunft in Teplitz-Schönau (Teplice) und Umgebung. Hier blieb die gesamte Division in Ruhestellung. Man hatte schon die Befürchtung das die Panzer-Abwehrabteilung hier für immer ihren neuen Standort bekommt. Doch Ende Oktober ging es wieder zurück nach Borna. Hier wurden die Soldaten unter großen Jubel und einer kleinen Parade auf dem Marktplatz empfangen.

Doch lange hielt der Frieden nicht. Deutschland brach den Zweiten Weltkrieg vom Zaum. Am 1. September 1939 marschierte die Panzer-Abwehrabteilung als Bestandteil der 24. Infanterie-Division in Polen ein und marschierte über die Prosna und Warthe zur Bzura. Hier kam es zu schweren Kämpfen mit den aus dem Kessel von Kutno ausbrechenden polnischen Verbänden.

Damit endete das Kapitel Panzer-Abwehrabteilung 24 in Borna. Trotzdem blieben die Kasernen nicht leer. Diese wurden bis zum bitteren Ende des Krieges mit verschiedenen Ersatz-Kompanien aufgefüllt und sinnlos ins Schlachtfeld geführt.

   

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