In früheren Zeiten war es so, dass die Schule sich immer an der Kirche befand. Die Pfarrer und Kantoren waren zugleich auch die Lehrer. So war es auch für die Thränaer Kinder. Sie mussten den weiten weg nach Treben auf sich nehmen um die Schule zu besuchen.
Doch Anfang des 20. Jahrhunderts ändert sich das. Die Gemeinde Thräna beschließt den Bau einer eigenen Schule. Die Eltern wollten ihren Kindern den langen Schulweg nach Treben nicht mehr zu muten. So erhielt Thräna eine Schule, obwohl es keine eigenständige Kirchgemeinde war. Eine Ausnahme für diese Zeit!
Für den Bau einer eigenen Schule setzten sich besonders der Fleischermeister Wilhelm Pohlig und der Gutsbesitzer Julius Müller ein. 1899 wurde mit dem Bau der zweitklassigen Schule mit einem Lehrerzimmer in der Schulstraße (heute: Fockendorfer Weg) begonnen. Bis der Schulneubau fertiggestellt war, wurden die Schüler schon im Thränaer Gasthof unterrichtet. Der erste Lehrer war Curt Berth aus Altenburg.
Im Frühjahr 1900 war die Schule bezugsfertig und ab Ostern konnten die Kinder in der Schule unterrichtet werden. Neben Lehrer Curt Berth kamen in den späteren Jahren die Lehrer Emil Tyrolf aus Laasdorf und Florus Köhler aus Zschernitzsch dazu. Zu dieser Zeit hatte die Schule 52 Schüler und diese stieg bis 1911 auf 140 an. Damit wurde die Schule zu klein.

Postkarte von Thräna mit der alten und neuen Schule, um 1915
Postkarte von Thräna mit der alten und neuen Schule, um 1915

Da seit 1908 die Schule eine dreiklassige Schule war, wurde wegen Platzmangel eine Klasse zeitweise im Raum des Gutes Berger in der Teichstraße 4 unterrichtet. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, wurde 1911 gegenüber der alten Schule ein zweites Schulgebäude errichtet mit einem Klassenzimmer und einer Schulleiterwohnung. Durch den Bergbau kam es zu einem riesigen Zuzug von Arbeitern aus dem ganzen Reich und den Ostgebieten. So wurden 1917 neben den 205 Schülern aus Thräna auch 19 Kinder russisch-polnischer Abstammung unterrichtet. In späteren DDR-Jahren war dies eine tolle Propaganda zur Festigung der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft.
Die Schule platzte immer mehr aus den Nähten. 1923, mitten in der Wirtschaftskrise, bekann der Bau für einen Erweiterungsbau an die alte Schule. Es kamen vier Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung dazu. Ab jetzt war es eine achtklassige Schule. Seit diesem Jahr besuchten auch die Serbitzer Kinder die Schule in Thräna. Als Schulleiter wurde der Lehrer Florus Köhler eingesetzt. Ihm zur Seite standen Herbert Spitzner, Theodor Lüneberg, Fritz Neef, Walter Steiniger, Fritz Eller und die Lehrerin Charlotte Walther. Laut dem Lehrplan der  Thüringer Einheitsschule hatte man folgende Unterrichtsfächer: Religion und Lebenskunde, Deutsch, Geschichte- und Staatsbürgerkunde, Erd- und Heimatkunde, Rechnen und Raumlehre, Naturwissenschaften, Schreiben, Zeichnen, Werkunterricht, Nadelarbeitsunterricht, Musik sowie Leibesübungen.
Im Jahre 1937 kam es erneut zu einem Erweiterungsbau an der Schule. Die Schule bekam zwei neue Klassenzimmer dazu und eine Hausmeisterwohnung. Am 22. Juni 1937 konnte Richtfest gefeiert werden. Die Ansprache hielt der damalige Bürgermeister Ernst Leube. Um auch den Sportunterricht ordnungsgemäß durchzuführen, wurde hinter der Schule ein Sportplatz angelegt.

Richtfest des Erweiterungsbau der Schule am 22. Juni 1937 (Stadtarchiv Borna)
Richtfest des Erweiterungsbau der Schule am 22. Juni 1937 (Stadtarchiv Borna)

Das fröhliche Schulleben hatte jedoch bald ein Ende, dunkele Wolken brauten sich über Deutschland zusammen. Mit dem heraufbeschworenen II. Weltkrieg wurden fast alle Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen. Unterricht fand kaum noch statt. Für die älteren Schüler wartete der Arbeitsdienst oder der Flak-Dienst zum Schutze der kriegswichtigen Braunkohlenwerke im Umland. Im April 1945 war der Spuck beendet, die Amerikaner rückten ein. Jetzt kann wieder friedlich unterrichtet werden, wenn auch viele Lehrer nicht wieder aus dem Krieg zurückkamen. Aber auch noch viele schulpflichtigen Kinder mussten noch in den letzten Tagen ihr Leben sinnlos hergeben.
Mit der Übernahme der sowjetischen Besetzungsmacht in unserem Gebiet wurde am 1. Oktober 1945 der Schulunterricht begrenzt wieder aufgenommen. Lehrer die der National-Sozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP) angehörten wurden aus dem Schuldienst entlassen und durch Neulehrer schrittweise ersetzt. 1947 unterrichteten an der Schule Helmut Blechert (Schulleiter), Heinz Bauch, Gerhard Rödel, Gerhard Dorka, Anton Haschberger, Kurt Richter als Russischlehrer sowie die Lehrerinnen Edith Nowak und Irene Rudolph. Doch ein schwerwiegendes Problem gab es. Durch den Krieg und die daraus folgende Mangelwirtschaft gab es kaum noch Unterrichtsmaterial an der Schule. Die einfachsten Dinge wie Stifte und Papier fehlten. Daher startete die SED-Ortsgruppe unterstützt von der Volkssolidarität, dem Demokratischen Frauenbund (DFD) und der Schulleitung einen Aufruf an die Eltern zum sammeln von Schiefertafeln. Dies schien zwar ein Rückschritt in alte Kaiserzeiten, aber zumindest konnten die Kinder in Schreiben, Lesen und Rechnen unterrichtet werden.
Mit der Auflösung der Länder in der DDR und einer damit verbundenen Gebietsreform kam Thräna zum Kreis Borna und damit die Schule unter die Bornaer Schulverwaltung.
1957 wurde der polytechnische Unterricht an der Schule eingeführt. Die Ausbildung der Schüler der 7. und 8. Klasse im Metallberuf erfolgte im Braunkohlenwerk Thräna und die Ausbildung in der Landwirtschaft durch Betreuer der LPG „8. Mai“ Neukirchen-Wyhra.
Schon bald bekann man mit dem Aufbau von  zehntklassigen Polytechnischen Oberschule in der DDR. Doch die Thränaer Schule blieb Achtklassig. Aus diesem Grund besuchten ab 1960 die Schüler der 9. und 10. Klasse die Schule in Neukirchen-Wyhra und später in Borna. Zur gleichen Zeit wurden nochmals zwei Klassenzimmer angebaut und die ehemalige neue Schule von 1911 wurde in einen Schulhort umgewandelt.
Seit 1955 wurden auch wieder die Jugendweihen eingeführt, ein alte Tradition der Sozialdemokraten, doch jetzt Missbraucht als Treueschwur der Jugend auf den sozialistischen Staat DDR. So sind bei den Thränaer Jugendweihe als Ehrengäste z.B. Otto Grotewohl und der Chefpropagandist Karl-Eduard von Schnitzler geladen gewesen.

Karl-Eduard Schnitzler bei der Übergabe der Jugendweiheurkunden, 1964 (Stadtarchiv Borna)
Karl-Eduard Schnitzler bei der Übergabe der Jugendweiheurkunden, 1964 (Stadtarchiv Borna)

Im Jahre 1976 erhielt die Polytechnische Oberschule (POS) den Namen des Schriftstellers „Erich Weinert“ verliehen.
Mit der erneuten politischen Wende 1989/1990 wird die Schule zu einer Grundschule umgewandelt. Die Schülerzahlen fallen rapide. Hatte die Schule in den 70er Jahren noch durchschnittlich 150 Schüler sind es jetzt 33. Das waren weniger als zur Gründung der Schule! Aus diesem Grund besuchten ab 1990 die Schüler der Klassenstufe 1 und 5 die Schule wieder in Treben, wie in alten Zeiten. Mit diesen geringen Schülerzahlen war die Schule nicht mehr zu halten und wurde endgültig 1997 geschlossen.

   

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