Wir schreiben das Jahr 1811. Sachsen ist ein Königreich auf Napoleons Gnaden. Von friedlichen Zeiten kann man nicht unbedingt sprechen. Obwohl es den Görinitzer Bewohnern schon nicht gut geht, müssen sie einen besonderen Schicksalsschlag erleiden. Am 5. Mai 1811 bricht ein Großfeuer aus, bei dem das gesamte Pfarrgut und vier anliegende Bauerngehöfte vernichtet werden.
Gustav Friedrich Dinter, Pfarrer seit 1807 in Görnitz, schrieb in seiner Brandpredigt: „Wenn Schlag auf Schlag uns trifft, wenn die kaum geschlossene Wunde, vom unerbittlichen  Schicksale neu aufgerissen, noch schmerzlicher blutet,  als zuvor – dann Brüder, dann bedarf das kranke Herz wohl Trost. – Und uns traf Schlag auf Schlag.“ Da das Feuer im Pfarrgut ausbrach, wo Dinter ein Progymnasium führte, vermutete man das seine geliebten Zöglinge die Schuldigen an dem Feuer waren. Doch Dinter konnte nachweisen, das diese zu diesem Zeitpunkt im Lobstädter Holze waren um Maiblumen zu suchen. Viel mehr wurde durch das unachtsame Tabakrauchen der Knechte das Feuer entfacht, aber ganz nachgewiesen konnte das nie.
Das neue Gebäude sollte auf dem alten wieder aufgebaut werden, da die Keller des Pfarrhauses erhalten blieben. Schon bald beauftragte man verschiedene Baumeister mit der Anfertigung von Baurissen mit Kostenvoranschlägen. Man erhielt Entwürfe von Uhlmann dem Älteren und Uhlmann den Jüngeren, beide aus Borna, von Schenk aus Pegau, von Klette aus Lobstädt und von Müller aus Frohburg. „Die Kirchen-Inspektion (Herr Superintendent von Zobel, und Herr Amtmann Glöckner aus Borna) hatte die Güte mich zu Fragen, welcher Riß mir der angenehmste seyn würde. Ich zog den ersten [Uhlmann d. Ä., Anm. T.B.] vor.
Wegen der Lage der benachbarten Gebäude hatten sämtliche Gewerke auf einen an das Wohnhaus anzubringenden Entwurf von 24 Ellen Länge angetragen, welcher eine Stube, Kammer, Backofen, Küche und Speisegewölbe enthalten sollte.“ (G. F. Dinter, Dankpredigt nach Vollendung des Pfarrhauses zu Görnitz, erschienen 1815) Das Konsistorium in Leipzig genehmigte den Riss und es konnte bald mit den Bau beginnen.
Am 22. April 1812 war die Grundsteinlegung für das Wohnhaus. Den Bau des Pfarrgutes führten der Bauaufseher Busch, der Zimmermeister Perthel und der Maurermeister Schilde aus.
Um den Bau zu finanzieren zu können, wurde die oben erwähnte Brandpredigt von Dinter veröffentlicht. Durch deren Erlös erhielt man 24 Thaler, 2 Groschen und 2 Pfennige. Das reichte bei weiten nicht aus und suchte sich unentwegt Unterstützer.
Anfangs sah es gar nicht gut aus. Erst als König Friedrich August I. von Sachsen den Bau mit 100 Thaler unterstütze, zogen auch die anderen Institutionen nach. So erhielt man letztendlich aus ganz Sachsen Spenden im Werde von 1401 Thaler, 14 Groschen und 8 Pfennigen. Aber auch Material wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt. So erhielt man 1000 Dachziegel von Herrn Scharf aus Oderwitz, 250 Mauerziegel durch den Rittergutspächter zu Böhlen und 6 Ruthen Steine vom Rat der Stadt Borna.
Die Gemeinde Görnitz selbst bewerkstelligte 900 Thaler für den gesamten Bau von Wohnhaus, Scheune und Schuppen. Am 17. Juni 1812 war Richtfest und am 28. September gleichen Jahres konnte Gustav Friedrich Dinter in das neue Wohnhaus des Pfarrgutes einziehen. Die Scheune war schon Ende 1811 fertig gestellt und das Stallgebäude konnte 1813 wieder genutzt werden. Somit war das Pfarrgut wieder im besten Zustand. Was jedoch mit den anderen Bauerngütern geschehen ist, erfährt man in der „Dankespredigt nach Vollendung des Pfarrbaues zu Görnitz, gehalten am Kirchweyhfeste 1812 von M. Dinter“ nicht.Nur das für die Mitverunglückten 63 Thaler und 18 Groschen gesammelt wurden. Es wird wohl noch Jahre gedauert haben, bis die vier Bauerngüter bewirtschaftet wurden, den die Schrecken des Jahres 1813 standen vor der Tür und das Elend wurde nur noch größer.

Dankpredigt von Gustav Friedrich Dinter, 1815
Dankpredigt von Gustav Friedrich Dinter, 1815

   

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