In den 1880er und 1890er Jahre war ein regelrechter Boom nach dem braunen Gold. Jeder wollte daran teilhaben. Braunkohlengruben schossen aus den Boden wie Pilze und verschwanden auch so schnell wieder. Meist handelte es sich um kleine Gruben mit kaum 20 bis 30 Bergleuten. Einer dieser Braunkohlengruben war die Grube „Gott hilf“ in Gestewitz. Sie befand sich südlich des Dorfes, etwa da, wo heute die Unterführung zum Gewerbegebiet Eula ist.

Militärkarte von 1894 mit der vermerkten Braunkohlengrube „Gott hilf“
Militärkarte von 1894 mit der vermerkten Braunkohlengrube „Gott hilf“

Das Jahrbuch für das Berg- und Hüttewesen schreibt für das Jahr 1886 unter anderem: „Der Rittergutsbesitzer R. Schade in Gestewitz bei Borna hat durch mehrere Bohrlöscher ein Braunkohlelager auf seinen Besitz nachgewiesen und dasselbe durch einen Schacht aufgeschlossen, der bei 12 m Teufe auf Kohle kam.“ Das war die Geburtsstunde der Grube „Gott hilf“. Man hatte anfangs einen Beamten, dass war der Obersteiger Weikardt, und 15 Bergarbeiter. Ab 1888 wurden auch Frauen eingestellt. Das war zu dieser Zeit noch nicht selbstverständlich. Damit war man in der Region einer der ersten Braunkohlengruben die Frauen anstellten. Im gleichen Jahr eröffnete man neben der Grube eine Produktionsstätte für Presssteine.
Im Jahre 1891 verließ der Obersteiger Weikardt den Grubenbetrieb. Er übernahm das Amt des Obersteigers in der wiederaufgenommenen Braunkohlengrube „Gottes Segen“ bei Kesselshain. Für Weickert kam Hermann Büchner, der zugleich Betriebsdirektor war. Das Bornaer Tageblatt vom 12. Juni 1891 schrieb dazu folgendes: „Angesichts der während des Sommers meist stattfindenden Beschaffung des Brennmaterials für die kalte Jahreszeit möchten wir unserer Umgebung und namentlich den nördlichen und westlichen Teil der Amtshauptmannschaft Borna auf eine bequem gelegene und empfehlenswerte hinweisen: Braunkohlenwerk und Preßfabrik ,Gott hilf!’ zu Gestewitz ist in diesen Tagen in die Verwaltung eines bekannten, tüchtigen Fachmannes, des früheren langjährigen Leiters des ,Carlschachtes’ bei Borna, Herrn Herrmann Büchner, übergegangen.“ Weiter berichtete das Tageblatt: „ Das Werk liefert außer der zu Preßsteinen zu verarbeitenden Klarkohle auch gute stückreiche Kohle, und wird demnächst in noch vielbeträchtlicher Menge gewonnen werden, da bei einem jüngst aufgeschlossenen Flöz vorzügliche Qualität mit günstigen Abbauverhältnissen Hand in Hand geht. Da zu den schon bestehenden zweckmäßigen, neuzeitlichen Einrichtungen des in Rede stehenden Werkes demnächst noch ein zweiter Dampfkessel tritt, wird das Braunkohlenwerk ,Gott hilf’ in der Lage sein, weitgehende Absatzgebiete zu befriedeigen ...“ Dies hörte sich für den Grubenbetrieb sehr gut an. Im Juli 1892 wurde eine neue Tiefbauanlage durch Niederbringen eines neuen Wasserhaltungsschachtes, behufs Anschließung des Hauptflözes, fertiggestellt. Damit sollten die erschwerten Arbeiten beim Durchteufen des wasserreichen Deckgebirges, unter anderem 8 m Schwemmsand, erleichtert werden. Trotz dieser hohen Aufwendungen, vor allem finanziell blieb der Betrieb unrentabel. Man hatte z.B. 1895 eine Fördermenge von 1281 Tonnen Braunkohle und eine Jahresproduktion von 160000 Preßsteinen. Gegenüber anderen Gruben war das nicht gerade viel. Da half auch kein neuer Betriebsleiter. 1895 übernahm M. Gey aus Gestewitz das Braunkohlenwerk. Doch auch er konnte denn Untergang des Unternehmens nicht aufhalten und so beschloss der Gutsbesitzer Schade im Mai 1896 die Produktion einzustellen. Laut dem Jahrbuch des Berg- und Hüttenwesens von 1897 musste das Braunkohlenwerk „Gott hilf“ den Betrieb „wegen ungünstiger Betriebsverhältnisse einstellen.“ Leider gibt es kein mir bekanntes Bild von der Grube bei Gestewitz, was geblieben ist, sind einige Anzeigen und Berichte im Bornaer Tageblatt.

Anzeige von 1891

 

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