Der Kegelsport hat in Borna eine lange Tradition. Ab den Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich viele Gasthöfe Kegelanlage aufgebaut und es gründeten sich eine Vielzahl von Kegelclubs in der Stadt und im Umland. Kegeln wurde zum Volkssport Nummer 1, von Fußball war noch keine Rede. Einer der letzten Kegelvereine der aus dieser Zeit überlebt hat, ist der Kegelclub „Ecke“, der heute beim SV Lokomotive Borna organisiert ist.

Vereinslogo
Vereinsabzeichen

Der Kegelclub „Ecke“ wurde am 24. November 1919 gegründet. Mitten in schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen trafen sich lebenbejahende Männer, später auch Damen, um einer sportlichen Aktivität nach zu gehen. Dabei stand nicht nur der Sport im Vordergrund, man wollte sich austauschen und sich gemeinsam helfen die anstehenden Probleme der Zeit zu lösen. Anfang der 1920er Jahre steigerte sich z.B. der Mitgliedsbeiträge in allen Vereinen in Billionenhöhe, Woche für Woche änderte sich der Mitgliedsbeitrag. Doch das hielt die Männer nicht ab, ihren Lieblingssport nach zu gehen. Mindestens einmal in der Woche traf man sich zum „Kegelschub“, um dann bei Wettbewerben im Kreisgebiet erfolgreich zu sein. Anlässlich des Stiftungsfestes wurden vereinsintern mehrere Pokale ausgespielt. So gab es den „Holzfäller-Pokal“ für die meisten „gefällten“ Holz (Kegel), den „Erich-Behns-Pokal“ für den höchsten Zehnerreifen der Männer und den „Liebfrauenpokal“ für die Damen des Clubs. Ein beliebter Wanderpokal war der Ecke-Gedächnispreis „Walter Faber“. Dieser wurde von 1960 bis 2002 ausgespielt. 1979 erreichte der Sportfreund Rüdiger Reiche 79 Holz, dass war die höchste je ausgespielte Anzahl an „Hölzern“. Rüdiger Reiche, aber auch K. Donazzan, Walter Benndorf und Walter Herma konnten mehrmals diesen Wanderpreis für sich gewinnen. Jedoch wurde für das Kegeljahr zum Stiftungsfest verschiedenen Wettbewerbe ausgewertet und z.B. der „Rattenkönig“ gekrönt. Das war der Kegler der die meisten Fehlwürfe (Null) hatte. Die Bezeichnung „Ratte“ hat dabei nichts mit den unbeliebten Tier zu tun. Der Begriff ist von dem französischen Verb „rater“ und dem Substantiv „raté“ abgeleitet, was so viel wie „verfehlen“ bzw. „Versager“ bedeutet.

Ecke-Gedächtnis-Wanderpokal „Walter Faber“
Ecke-Gedächtnis-Wanderpokal „Walter Faber“

Das alte Domizil des Kegelclubs in Lauterbachs Bierstuben in der Kirchstraße gibt es schon lange nicht mehr. Zu DDR-Zeiten traf man sich auf der Kegelbahn der ehemaligen Fichte-Turnhalle in der Angerstraße. Doch die Anlage entsprach nach der Wende nicht mehr den Anforderungen und statt die Anlage zu modernisieren, wurde die Kegelanlage mit Turnhalle abgerissen. Seit dem traf man sich in Espenhain zusammen. Doch seit kurzem ist man wieder näher an Borna gerückt und schiebt die Kugel in Deutzen. Leider hat der Kegelclub „Ecke“ immense Nachwuchsprobleme. Nur noch gelegentlich, wie im letzten Jahr anlässlich des 100jährigen Bestehens, kommt man zusammen. Derzeitig besteht der Klub nur noch aus neun Mitgliedern. Aus diesem Grund übergab das langjährige Mitglied, Sportfreund Reinhard Röhser, 1919 verschiedene Pokale, Wimpel und Auszeichnungen an das Museum der Stadt Borna, um den Verein vor der Vergessenheit zu bewahren.

Reinhard Röhser übergibt Vereinsnachlass an das Museum
Reinhard Röhser übergibt Vereinsnachlass an das Museum Borna

 

Thomas Bergner