Karl Ryssel wurde am 17. Februar 1869 als Sohn des Bäckers Siegfried Ludwig Ryssel am Reichsteinweg 12 geboren. Nach dem Besuch der Bürgerschule am Dinterplatz absolvierte er eine Tischlerlehre und ging von 1886 bis 1891 auf Wanderschaft. Nach dieser hatte er mehrere Anstellungen als Tischler in Borna und Leipzig. Selbst aus der Arbeiterschaft stammend und durch eigene Erlebnisse in dieser vom Arbeitskampf geprägten Zeit schließt sich Ryssel Anfang 1890er Jahre den Sozialdemokraten an. Mit dem Eintritt in die SPD trat er aus der Kirche aus. Durch sein Auftreten in der Partei stieg schnell sein Ansehen und schafft es so 1904 zum Beamten bei der Ortskrankenkasse. Doch immer mehr rückte die politische Arbeit in den Vordergrund und er gibt schon 1907 seine Beamtenstellung wieder auf. Er wird Parteisekretär der SPD in Leipzig.
1912 kandidiert er für den Reichstag, welcher der letzte im Deutschen Kaiserreich sein sollte. Jedoch reichen seine Stimmen nicht. Erst im März 1914 rückt er in einem Nachrückverfahren in den Deutschen Reichstag für die SPD ein. Zu dieser Zeit ist er auch des Öfteren in seiner Vaterstadt und hält politische Reden im Gasthaus „Wilhelmshöhe“.
1917 kommt es zwischen der SPD und Karl Ryssel, wie bei vielen Sozialdemokraten zu dieser Zeit, zum Bruch. Ryssel schließt sich der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) an. Die USPD war im Prinzip der linke Flügel(marxistisch geprägt) der SPD. Diese neue Partei sammelte alle ehemaligen SPD-Mitglieder, die mit der Kriegspolitik ihrer Partei unzufrieden waren. Am 12. November 1918 tritt Karl Ryssel auf einer Großkundgebung auf dem Bornaer Markt auf. Vom Balkon des Alten Amtes spricht er vor fast 1000 Zuhörern der Bornaer Arbeiterschaft zum Thema „Die soziale Republik“.
Nach dem verlorenen Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs gehörte Ryssel erst mal dem Großen Rat der Arbeiter- und Soldatenräte an und von 1919 bis 1920 war er Mitglied des Sächsischen Landtages.
Bei der Reichstagswahl vom Juni 1920 kandidierte er für die USPD im Wahlkreis 32 (Leipzig) und wird für den ersten Reichstag der Weimarer Republik gewählt, dem er bis 1924 angehörte. Schon bald nach dem Krieg merkte Karl Ryssel, dass die Ziele der USPD für ihn in die falsche Richtung gehen. Auch der Zerfall der USPD war vorprogrammiert. 1922 verlässt er die USPD und wurde wieder Mitglied der SPD und schließt sich auch deren Reichstagsfraktion an. Während seiner Tätigkeit im Reichstag gehörte mehreren Ausschüssen an. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Lohnsteuergesetz und den Einkommenssteuergesetz. Aber auch die Kohlewirtschaft bzw. Kohlensteuer gehörten zu seinem Aufgabengebiet, wozu er mehrere Redebeiträge in den Ausschüssen einbrachte. Er wollte erreichen, dass die Kohlensteuer für einzelne Bergbaubezirke und Brennstoffsorten ermäßigt werden.
Neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter im Reichstag war Karl Ryssel vom August 1921 an Amtshauptmann in Leipzig. In diesem Amt war er wegen Zugehörigkeit in der USPD bzw. SPD vielen Anfeindungen ausgesetzt. 1926 zog er sich nach schwerer Erkrankung zurück und ging in den Ruhestand.
Am 18. Mai verstarb Karl Ryssel in Leipzig.

Karl Ryssel, um 1920
Karl Ryssel, um 1920

   

Login Form