Man nannte ihn den „Dresdner Menzel“ oder der „Journalist mit dem Zeichenstift“ und das nicht zu unrecht. Während seiner Zeit bei der Leipziger Illustrierten Zeitung bereiste er die Welt und hielt alles in unzähligen Skizzenbüchern fest. Seine Wege führten auf fast alle Kontinente dieser Erde. Die berühmten Persönlichkeiten, ob Könige, Päpste, Politiker oder Künstler standen vor seiner Staffel. Keine Weltausstellung, Denkmalsweihe oder Naturkatastrophe wo er nicht vor Ort war. Dies alles erzählen anschaulich und naturgetreu seine Bilder. Wenn man seine Bilder sieht, ist man verblüfft von dieser Datailtreue und Genauigkeit. Daher ist es nicht verwunderlich das ihm die Fotografie Anfang des letzten Jahrhunderts ihm erst den Rang ablief.

Mein Geburtshaus im Hof der Witwe Seyfart (1926 aus dem Zyklus „Aus meiner Vaterstadt“)

Geboren wurde Oskar Emil Limmer am 20. Juli 1854 als ältester Sohn des aus Zedtlitz stammenden Tischlermeisters Christian August Limmer und dessen Ehefrau Johanna Amalia im Haus des Kaufmann  Seyfart am Markt Nr. 6. Zur Familie Limmer gehören später noch die Tochter Clara Minna und der Sohn Friedrich Albin. Emil besuchte die Bürgerschule, wo schon bald sein zeichnerisches Talent entdeckt wird und er erhält Unterricht bei Hermann Gatzsche und dem Bornaer Maler Otto Max Leidhold. Erstmals aufsehen erregt er, als die Siegesdepeche vom Deutsch-Französischen Krieg 1870 in Borna eintrifft. Ganz spontan zeichnet der junge Limmer mit Kreide Kriegsszenen an den Bretterzaun „Hinter der Mauer“ (Mühlgasse). Große Teile der Bevölkerung ist Begeistert, vor allem der Leutnant von Milkau, später Kommandeur des hiesigen Karabinier-Regiment. Er meinte, Limmer sollte das Malerhandwerk studieren.

Limmers 1. Versuch als Zeichner aufzutreten.

Doch sein Vater hatte andere Pläne mit ihm. Emil sollte die kleine Tischlerwerkstatt im Hinterhof übernehmen und weiterführen. Daher schickte er seinen Sohn nach Dresden um dort das Tischlerhandwerk zu erlernen. Hier war Emil der Kunst ganz nahe. Hier besuchte er alle Kunstausstellungen und lernte von den Alten Meistern. Zurück nach Borna kommt ihm ein glücklicher Umstand zu gute. Bei einem Betriebsunfall wird er so stark verletzt, dass er das Tischlerhandwerk nicht mehr ausführen kann. In dieser Zeit entstehen, mit Unwillen des Vaters, fünf Ölgemälde, die auf der Gewerbeausstellung des Bornaer Gewerbevereines 1874 ausgestellt werden. Der Amtshauptmann Dr. Platzmann ist von den Bilder so sehr angetan, dass er Limmer mit Hilfe des Bürgermeisters Carl Heinrich und der Lederfabrikantenfamilie Goedel unterstützt ein Studium an Kunstakademie Leipzig bei Prof. Nieper zu beginnen. 1876 setzt er sein Studium an der Akademie der Künste in Dresden fort. Seine Lehrer waren Prof. Julius Scholz, Hofrat Pauwels und der bekannte Historien- und Porträtmaler Léon Pohle. Das er ein sehr begabter Schüler war, zeigen seine vielen Auszeichnung, die er für seine Studienbilder bekam. So erhielt er zum Beispiel am 3. April 1882 die kleine goldene Medaille der Akademie der Künste Dresden überreicht. Mehrere Auszeichnungen folgten und die ersten Bilder konnten auch verkauft werden, so stand einer Hochzeit mit Helene Euchler nichts mehr im Wege.

Im Jahre 1883 beendete Emil Limmer erfolgreich sein Studium an der Akademie der Künste in Dresden. Nun hieß es Geld verdienen für die neugegründete Familie. Den nur vom Verkauf der Bilder bei Ausstellungen wie in Berlin, Leipzig und in seiner Heimatstadt Borna konnte er nicht Leben. Letztendlich hatte seine Frau Helene die zündende Idee, da sie schon immer von seiner schnellen Auffassungsgabe für bestimmte Situationen bewunderte, machte sie den Vorschlag, dass sich Limmer als Spezialzeichner bei einer Zeitung bewerben sollte. Daraufhin erhielt er ein Angebot von der Leipziger Illustrierten Zeitung. Dieser blieb er 35 Jahre treu. Seine ersten Zeichnungen entstehen anlässlich der Lutherfeierlichkeiten 1883. Es folgen die Weltausstellungen in Chicago (1893) und Paris (1900), die Reisen des Kaiser Wilhelm II an das Nordkap und nach Palästina, die Trauerfeierlichkeiten für den ermordeten italienischen König Umberto, das 50jährige Priesterjubiläum des Papstes Leo des XIII. in Rom und die Zarenkrönung 1896 in Moskau. Seine Reisen als Journalist führten ihn nach Amerika, an das Goldene Horn, nach Ungarn, die Schweiz, nach Belgien und Ägypten. Aber auch im gesamten Deutschen Reich war er unterwegs. Seine Bilder zeigen die Unwetterkatastrophen im Osterzgebirge, die Überreichung des Marschallstabes an König Albert von Sachsen, die Vulkanwerft in Stettin, die Kruppwerke im Ruhrgebiet, die unzähligen Denkmalsweihen, die Maidemonstrationen in Dresden und die vielen Reichstagsabgeordneten wie Ahlwardt Windhorst, Eugen Richter, August Bebel und Karl Liebknecht. Aber nicht nur für die Illustrierte Zeitung war Emil Limmer unterwegs. Seine Zeichnungen wurden auch im „Salonblatt“, „Über Land und Meer“, im  „Buch für Alle“, in der „Illustrierten Chronik der Zeit“ und in der „Gartenlaube“ veröffentlicht. Auch der Buchillustration war Limmer nicht abgeneigt. So illustriert er die Festschrift anlässlich der 800-Jahrfeier des Hauses Wettin 1889 in Dresden und 1902 das Buch „Hinter den Coulissen des Dresdner Hoftheaters“. Doch Anfang des vorigen Jahrhunderts ändert sich die Situation in seinem künstlerischen Wirken. Die Fotografie ist im Vormarsch und wird zu einer starken Konkurrenz. Auch ein Augenleiden sucht ihm heim. Es entstehen wieder erste Ölgemälde. 1916 kündigt er endgültig bei der Leipziger Illustrierten Zeitung und tauscht den Zeichenstift mit dem Pinsel. So entsteht 1917 der Bilderzyklus „Typen und Szenen aus deutschen Kriegsgefangenenlagern“.

Limmer malt das Rathaus (1926 aus dem Zyklus „Aus meiner Vaterstadt“)

Auch seiner Vaterstadt blieb er immer Treu. So fanden in Borna mehrere Ausstellungen in der Restauration „Börsenhalle“ oder in den Schaufenstern der Buchhandlung Veit statt. In den Jahren von 1924 bis 1927, wozu er des öfteren in Borna weilte, entstand der Zyklus „Aus meiner Vaterstadt“. Es entstanden Bilder von der Kunigundenkirche, dem Rathaus, Hinterhofansichten in der Pegauer Straße (Wilhelm-Külz-Straße), aber auch Porträts von Bornaer Bürgern. 1927 bietet Emil Limmer ein Teil seines künstlerischen Schaffens der Stadt Borna zum Kauf an. Im Ratsbeschluss vom 5. Juli heißt es dazu: „Vom Vorschlag ... den Kunstmaler Limmer durch Ankauf einiger Bilder zu Unterstützen wird Kenntnis genommen. Limmer soll aufgefordert werden den Stadtrat geeignete Skizzen zur Ansicht vorzulegen, die sich ev. später in einem zu gründenden Museum unterbringen liessen.“ (Acta der Stadt Borna II/XXI Nr. 226 Fol. 3b) Noch im selben Jahr kauft die Stadt Borna für 600 RM zehn Aquarelle, vier Ölgemälde und neun Skizzen an. 1937 wurden für das seit 1935 bestehende Heimatmuseum zwei Ölgemälde angekauft. (heute in der ständigen Ausstellung „Bornaer Musikgeschichte“ im Museum zu sehen.)
Bis zu seinem Tode am 4. April 1931 malte und zeichnete Emil Limmer unentwegt und blieb dabei immer Liebenswürdig und Bescheiden. Sein langjähriger Chefredakteur der Illustrierten Zeitung schrieb: „... mit schnellen und sicheren Griffel hat er viele hunderte Illustrationen geschaffen. Er gehörte zu den beliebtesten Spezialzeichnern, der sich durch seine Kunst im In- und Ausland unzählige Freunde erworben hat.“

Emil Limmer zu seinem 75. Geburtstag, 1929
Emil Limmer zu seinem 75. Geburtstag, 1929

   

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