Wer kennt es nicht? Auf der Fahrt von Borna nach Leipzig ist es schon von weitem zu sehen: Das Völkersschlachtdenkmal. Doch kaum jemand kennt dessen Erbauer, den Architekten Clemens Thieme, ein gebürtiger Bornaer. Die folgende Zeilen geben einen Einblick in das Leben Clemens Thiemes und die Entstehung des größten Denkmalsbaus Europas.

Clemens Thieme Geburtshaus um 1920 Clemens Thieme Wohnhaus Roßmarktsche Straße 13

Clemens Thieme kam am 13. Mai 1861 in Borna in der Roßmarktschen Straße 5 zur Welt. Als Sohn des Schneidermeisters Julius Thieme und dessen Frau Johanne Friederike geb. Wallner arbeitete er sich aus einfachen Verhältnissen empor bis zum Erbauer des größten Denkmalsbaus Europas, dem Völkerschlachtdenkmal. Clemens Thieme verbrachte seine ersten drei Lebensjahre in Borna. Hier wurden auch noch zwei Schwestern Thiemes geboren: Anna Maria am 21. Juli 1862 und Anna Hedwig am 4. Januar 1864. Im März 1864 verzog die Familie zunächst nach Geringswalde, wo Thiemes Schwester Anna Liddy am 23. Juli 1865 zur Welt kam. Im Jahre 1866 übersiedelten sie nach Leipzig, weil der Vater hier eine Anstellung als Aufseher im Georgenhaus erhielt, einer Anstalt für Kranke und Pflegebedürftige.
In Leipzig besuchte Clemens die Volksschule, bevor er 1874 eine Maurerlehre bei den Baumeistern Siegel & Ulrich begann, die er 1877 abschloss. Parallel zu seiner Lehre besuchte er ab 1875 abends die Städtische Gewerbeschule in Leipzig. 1878 stirbt der Vater, sodass sich Clemens fortan um die Versorgung der Mutter und seiner drei Schwestern kümmern musste. Trotz des Schicksalsschlags verfolgt er weiter ehrgeizig seine Ausbildung. Nach seiner Lehre wechselt er an die Städtische Baugewerkeschule und schließt nach vier Semestern mit Auszeichnung ab. Das erlaubt ihm bis 1885 als Bautechniker bei seinen früheren Professoren Bösenberg und Viehweger tätig zu sein. 1883 besteht er vor der Königlichen Prüfungskommission sein Baumeisterexamen mit Auszeichnung. Das macht ihm den Weg frei zur Polytechnischen Hochschule in Dresden, wo er von 1884 bis1887 studierte und ebenfalls mit den besten Zeugnissen abschließt. 1887 beantragte Clemens Thieme in Leipzig einen Gewerbeschein, um sich als Architekt selbstständig zu machen. Eines seiner ersten Projekte war das Wohnhaus am Nordplatz 1 in Leipzig. Danach folgten weitere Gebäude, wie das Haus in der König-Johann-Straße (heute: Tschaikowski Straße 4) sowie das Lagerhaus des Musikverlages C.F. Peters in der Lindenstraße 22 (heute: An der Verfassungslinde). Darüber hinaus war Thieme von 1909 bis 1915 Projektleiter des Leipziger Hauptbahnhofes. Dabei machte er sich für die Variante des Kopfbahnhofes stark. Doch sein Leben widmete er dem Bau des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig. In einer Monatsversammlung des „Vereins für die Geschichte Leipzigs“, in dem Thieme Mitglied war, kam 1892 die Sprache wieder einmal auf das seit 80 Jahren geplante aber bis dahin nie verwirklichte Völkerschlachtdenkmal. Nach hitzigen Debatten in denen das Versagen aller bisherigen Bemühungen zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals beklagt wurde, hatte man die Aufgabe dem 31jährigen Architekten Thieme übertragen. Thieme grübelte lange darüber nach. Ihm war klar, dass das gesamte deutsche Volk für dieses Vorhaben mobilisiert werden musste. Zur Unterstützung seines Vorhabens wandte er sich mit einem Aufruf an einige Männer, von denen er wusste, sie würden ihn in der Denkmalsfrage unterstützen und lud sie zu einer Versammlung in das bekannte Leipziger Bierlokal Kitzing und Helbing am 26. April 1894 ein.
Auf dieser Versammlung erfolgte die Gründung des „Deutschen Patriotenbundes zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig“ unter Vorsitz von Clemens Thieme.

Clemens Thieme Spendekarte

Für den Deutschen Patriotenbund war klar, dass das gesamte deutsche Volk für das Denkmal sensibilisiert und mobilisiert werden musste, um einerseits die Denkmalsidee mit zu unterstützen und andererseits die notwendigen finanziellen Mittel zu beschaffen. Aus diesem Grund betrieb der Bund von Anfang an aktive Öffentlichkeitsarbeit. Öffentliche Aufrufe in den Tageszeitungen, Maueranschläge, öffentlich gehaltene Reden sowie eine eigens für diesen Zweck herausgebrachte Zeitung des Deutschen Patriotenbundes „Der Patriot, Mitteilungen des Deutschen Patriotenbundes“ führten dazu, dass der Bund bereits im Mai 1894 3.500 Mitglieder hatte. Ein Jahr später waren es bereits 45.000. An die Mitglieder gab der Patriotenbund Mitgliedskarten zu je 50 Pfennig aus. So konnten die Millionenbeträge für das Denkmal jedoch nicht allein hereingeholt werden. Daher verschickte der Deutsche Patriotenbund ab 1895 Spendenaufrufe an Vereine und Verbände. Militärvereine, Schützenvereine, Turnvereine, Sangesvereine, studentische Korporationen, Frauenvereine, Lehrerkollegien, Offizierskasinos, Innungen, die Zoll- und Landratsämter, die Land- und Amtsgerichte und Post- und Telegraphenämter, sie alle spendeten und sammelten Gelder für das Denkmal. Die Stadt Leipzig leistete ebenfalls ihren Beitrag: jährliche Zuwendungen von 10.000 Mark und den Bauplatz von 42.500 qm im geschätzten Wert von einer halben Millionen Mark. Die Spenden konnten die im Laufe der Zeit ständig steigenden Baukosten jedoch nicht mehr decken. Um das Spenden für noch mehr Menschen zu ermöglichen, ersann Thieme eine Geldlotterie auf Losbasis. Von 1903 bis 1913 wurden 26 Lotterien ausgespielt, was einen Baukostenzuschuss von 3,5 Millionen Mark erzielte. Bis zu seiner Fertigstellung 1913 beliefen sich die Baukosten auf 6 Millionen Mark.

Den Auftakt für die Denkmalsgestaltung bildeten zwei vom Deutschen Patriotenbund 1895 und 1896 ausgeschriebene Ideenwettbewerbe unter deutschen Architekten. Keiner der eingereichten Entwürfe entsprach aber den Vorstellungen des Patriotenbundes. Sie waren nicht innovativ genug und erinnerten zu sehr an andere Nationaldenkmale aus der wilhelminischen Ära. Um jedoch nicht noch mehr Zeit zu vergeuden und um das Interesse der Bevölkerung am Denkmal wach zu halten, entschloss sich der Deutsche Patriotenbund den Architekten Bruno Schmitz (1858-1916) mit den Denkmalsentwürfen zu beauftragen. Obwohl Schmitz im Wettbewerb von 1896 nur Vierter geworden war, galt er dennoch als „seinerzeit berühmtester deutscher Denkmalsarchitekt“, der bereits das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser im Harz geschaffen hatte. Obwohl der Patriotenbund Bruno Schmitz als Planer des Denkmalsentwurfs in der Öffentlichkeit präsentierte, war die Einflussnahme Clemens Thiemes erheblich. Er gab grundlegende Ideen und Pläne vor, die Schmitz ausführen sollte und denen er sich fügen musste. Dennoch gelangte der mit der „Großen goldenen Medaille“ auf der Internationalen Kunstausstellung 1898 preisgekrönte Entwurf zur Ausführung. Die Planungen erstreckten sich bis weit in das Baugeschehen hinein. So erlangte die heute sichtbare Kuppel mit den Freiheitswächtern und dem Gipfelstein erst um 1900 ihre endgültige Gestalt. Die Krypta, für die sich Thieme einsetzte, war ursprünglich nicht geplant und wurde sogar erst 1903 in die Baupläne aufgenommen. Für den bauplastischen Schmuck am Denkmal verpflichtete der Deutsche Patriotenbund den Breslauer Bildhauer Christian Behrens und nach dessen Tod 1905 den deutsch-österreichischen Bildhauer Franz Metzner (1870-1919), der fast alle Figurenmodelle im Völkerschlachtdenkmal schuf. Am 18. Oktober 1898 erfolgte der erste Spatenstich für den Bau des Denkmals auf dem ehemaligen Schlachtfeld; eigenhändig von Clemens Thieme ausgeführt mit den Worten: „Mit Gott für Kaiser und Reich, für König und Vaterland, Hand ans Werk!“
Die Grundsteinlegung für das Völkerschlachtdenkmal fand am 18. Oktober 1900 statt. Das Denkmal besteht zu 90 Prozent aus Beton, eine Innovation im damaligen Monumentalbau.
Die eingesetzte Technik entsprach dem neuesten Stand und erleichterte die Arbeit erheblich. Zwei Lokomobilen von 75 bzw. 16 PS betrieben eine Anlage von 4 Steinwinden, 2 Aufzügen, 2 Pumpen, eine Betonmischmaschine und eine eigens für den Kiestransport errichtete Drahtseilbahn der berühmten Firma Bleichert. Dank der modernen Technik konnte der Denkmalsbau mit relativ wenig Arbeitskräften auskommen: Durchschnittlich 40 Arbeiter waren unter Bauleiter Otto Rudolph beschäftigt, deren wöchentlicher Lohn 9 Mark betrug.

Bleiglasfenster im ehem. Firmengebäude Bleichert Leipzig, Drahtseilbahn am Völkerschlachtdenkmal

Am 13. Mai 1912 vollzog Clemens Thieme die feierliche Schlusssteinlegung. Dennoch war der Bau damit noch nicht beendet. Die verbliebene Zeit bis zur Einweihung wurde zu Überarbeitungen am Denkmal genutzt.
Am 18. Oktober 1913 konnte das Denkmal nach 15 Jahren Bauzeit eingeweiht werden. Die Denkmalsweihe gestaltete sich als großes Fest. Die Festlichkeiten waren der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen 1913 anlässlich der 100. Wiederkehr der Völkerschlacht. Schon Wochen vor den Oktobertagen berichtete die Presse von den Ereignissen.
Die Feierlichkeiten am Tag der Einweihung begannen um 7 Uhr morgens mit dem Festumzug der studentischen Vereinigungen. Gegen Mittag trafen die geladenen Ehrengäste auf dem Festgelände am Denkmal ein: Kaiser Wilhelm II. in Begleitung des Sächsischen Königs Friedrich August III., sämtliche Bundesfürsten, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand, Großfürst Kyrill Wladimirowitsch von Russland, Prinz Wilhelm von Schweden, der Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, hochrangige Militärvertreter, Sächsische Minister, Vertreter des Reichsgerichts, des Reichstages und des Landtages, Großmeister der deutschen Großlogen der Freimaurer, Geistlichkeit, Rat und Stadtverordnete von Leipzig sowie der Vorstand des Deutschen Patriotenbundes. Wichtig schien dem Deutschen Patriotenbund als Veranstalter, möglichst alle Bevölkerungsschichten in die Feierlichkeiten einzubeziehen. Neben den geladenen Ehrengästen waren auch die verschiedensten Vereine, studentische Korporationen, Turn- und Sangesvereine eingeladen. Dies unterstrich noch einmal den Charakter den das Denkmal haben sollte: Ein Denkmal aus dem Volk, für das Volk, das keinem Monarchen oder einer Persönlichkeit aus dem kulturellen oder religiösen Leben gewidmet war, sondern an die Heldentaten der Soldaten erinnern sollte, die Deutschland von der Schreckensherrschaft Napoleons befreit hatten und auf dem Schlachtfeld 1813 gefallen waren.

Clemens Thieme bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 1913

Als erster ergriff Clemens Thieme das Wort zu seiner Weiherede und machte noch einmal deutlich, zu welchem Zweck das Völkerschlachtdenkmal konzipiert worden war: „Als Ehrenmal für die Gefallenen der Völkerschlacht, als Ruhmesmal für das deutsche Volk und als Mahnmal für kommende Geschlechter“.
Nach dem Festakt besichtigten die Fürsten unter der Führung von Clemens Thieme das Denkmal. Am Abend fand ein Festmahl für Kaiser und König im Gewandhaus statt mit anschließendem Konzert- oder Theaterbesuch. Den Abschluss der offiziellen Feierlichkeiten bildete die abendliche Erleuchtung der Stadt mit Tausenden Kerzen, Glühlampen und den extra am Augustusplatz aufgestellten Pylonen mit Fackeln.
Für seine Verdienste um das Völkerschlachtdenkmal ernannte die Stadt Leipzig Clemens Thieme noch am gleichen Tag zu ihrem Ehrenbürger.
Nähert man sich dem Menschen Thieme kann man eine Tatsache nicht außer Acht lassen. Thieme war Freimaurer. 1888 trat er in die Leipziger Freimaurerloge „Apollo“ ein.
Die Loge hat ihren Ursprung in der 1799 in Leipzig gegründeten Loge „Zur Grünenden Eiche“. 1801 firmierte sie schon unter ihrem neuen Namen: „Apollo zu den drei Akazien“, am 5. Mai 1805 erhielt die Loge den Namen „Apollo“. Sie verstand sich als moderne Loge, ohne den elitären Charakter der Mitglieder der anderen Leipziger Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“. In „Apollo“ fanden andere soziale Schichten verstärkt Aufnahme: 40 Prozent der Mitglieder waren Kaufleute, Händler und Handwerker, 18 Prozent Akademiker, 12 Prozent städtische- und Staatsangestellte, jeweils 6 Prozent Künstler und Militärangehörige, 5 Prozent Kirchenleute, 4 Prozent Fabrikanten. Der Adel spielte fast keine Rolle mehr. Die Loge löste sich mit Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 selbst auf.
Zu DDR-Zeiten waren Freimaurerlogen zwar nicht verboten, aber deren Wieder- und Neugründungen nicht erwünscht. Am 5. Mai 2005 vereinigten sich kleinere zuvor in Leipzig nach der Wende 1990 gegründete Logen zur Großloge „Apollo“, genau 200 Jahre nach ihrer ersten Gründung 1805. Die Freimaurerei versteht sich als ein Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Anwendung im Alltag gelebt werden. Clemens Thiemes autobiographisches Werk „Dichtung und Wahrheit“ von 1931 gibt Einblicke in sein Seelenleben. Hier schildert er nicht nur bildhaft seine Reisen nach Italien, das Kaiser- und das Riesengebirge, sondern stellt diesen Reiseberichten eine Reihe Märchen voran, in denen die fünf Grundideale der Freimaurerei im Mittelpunkt stehen. Seine Reisen unternahm Thieme einerseits um Kraft für den Denkmalsbau zu schöpfen, andererseits unternahm er sie, um an sich zu arbeiten, da er häufig schwierige Bergtouren durchführte, ohne auf Bequemlichkeiten zu achten.
Aufgrund der Tatsache, dass Clemens Thieme Freimaurer war, ist man sich uneins, ob das Völkerschlachtdenkmal nach freimaurerischen Ideen und Idealen entstanden ist sowie freimaurerische Symbolik aufweist oder nicht. Für einige gilt es als „Tempel der Freimaurerei“, andere tun dies als Humbug ab. Fakt ist, dass Thieme den Aufruf zur Gründung des Deutschen Patriotenbundes an seine Freimaurerbrüder der Loge „Apollo“ versandte. Viele Logenbrüder hatten danach Vorstandsposten im Deutschen Patriotenbund inne. Außerdem soll der Denkmalsarchitekt Bruno Schmitz ebenfalls Freimaurer gewesen sein.
Man kann jedenfalls nicht mit Bestimmtheit ausschließen, dass das Völkerschlachtdenkmal freimaurerische Symbolik enthält. Thieme wird sicher dafür gesorgt haben, dass es sowohl den Freimaurern als auch der übrigen Bevölkerung gefällt.

Ansichtskarte mit Clemens Thieme vor dem Völkerschlachtdenkmal, um 1925

Die Stadt Borna verhielt sich bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an ihren berühmten Sohn zögerlich. Bereits 1936 initiierte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Patriotenbundes, Hermann Singer, die Ehrenbürgerschaft Clemens Thiemes. An seinem 75. Geburtstag am 13. Mai 1936 sollte sie ihm nach dem Willen des Deutschen Patriotenbundes verliehen werden. Die Stadt Borna lehnte dieses Gesuch zunächst ab mit der Begründung, dass Thieme bereits Ehrenbürger in Leipzig sei. Erst im Zuge der 125-jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht im Oktober 1938 ernannte die Stadt Borna Clemens Thieme zum Ehrenbürger.
Im Dezember beauftragte der Stadtrat die „Handwerkliche Buchbinderei Walter Veit/Leipzig“ mit der Anfertigung der Ehrenbürgerurkunde. Die Übergabe erfolgte am 9. Januar 1939 in Thiemes Wohnung in Leipzig in der Reitzenhainer Str. 155 (heute Prager Straße 145) im Beisein des stellvertretenden Bornaer Bürgermeisters Dr. Walter Thierbach sowie der Bornaer Ratsherren Hoppe und Fügner. Der Urkundentext lautete:
„Zur 25. Wiederkehr der Weihe des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig ernennt die Stadt Borna Herrn Geheimrat Clemens Thieme, geboren zu Borna am 13. Mai 1861, den Begründer des Deutschen Patriotenbundes und Schöpfer des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig, in Anerkennung seiner unvergänglichen Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt Borna.“
Schneller war man da mit der Anbringung einer Gedenktafel zu Ehren Thiemes, jedoch auf Initiative des Männergesangvereins Leipzigs. Die von Carl Seffner geschaffene Gedenktafel sollte eigentlich am Geburtshaus in der Roßmarktschen Straße 5 angebracht werden. Doch der sozialdemokratisch geführte Konsum-Verein der in diesem Gebäude seine Hauptgeschäftsstelle hatte, lehnte es ab eine Erinnerungstafel an den Nationaldemokraten Thieme anzubringen. So wurde die Gedenktafel am 6. Mai 1921 im Beisein von Clemens Thieme am ehemaligen Wohnhaus Roßmarktsche Straße 13 angebracht, wo die Familie Thieme mit den kleinen Clemens von 1862 bis 1864 lebte.

Gedenktafel für Clemens Thieme am Wohnhaus Roßmarktsche Straße 13 in Borna

Thieme machte sich auch als wohltätiger Stifter in Borna einen Namen. Am 4. Dezember 1941 überreichte Clemens Thieme dem Stadtrat Illing als einem Vertreter der Stadt Borna in der Bauhütte des Völkerschlachtdenkmals die „4½%ige auslosbare Schatzanweisung des Deutschen Reiches 4. Folge des Jahres 1938 – Buchstabe E Gr. 5 Nr. 0130 über 5.000 RM samt Zinsschein ab 2.5.1941 als Stiftung für die Stadt Borna“
Mit diesem Geld sollte eine Stiftung errichtet werden, deren Zweck darin bestand, „würdige und bedürftige Einwohner der Stadt Borna“ zu unterstützen. Die Stiftung trug den Namen „Clemens-Thieme-Stiftung“.
In der Stiftungsurkunde stand geschrieben, dass die Stiftung rechtsfähige Stiftung werden sollte. Der Landrat zu Borna sollte die Genehmigung der Stiftung beim Sächsischen Minister des Innern veranlassen. Dieser lehnte jedoch ab, weil der Stiftung zunächst eine Satzung fehlte. Die Stiftungssatzung trat dann am 8. Juli 1941 in Kraft, dennoch konnte sie doch erst im Januar 1942 vom Sächsischen Innenminister bestätigt werden. Das Finanzamt war schuld. Es sollte die Errichtung der Stiftung aus steuerlichen Gründen prüfen und ließ sich Zeit.
Am 12. Mai 1948 wurde das Stiftungsvermögen eingefroren und die Stiftung aufgelöst.
Doch das musste Clemens Thieme nicht mehr miterleben.
Er starb am 11. November 1945 und wurde auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

   

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