Mitte des 19. Jahrhunderts verschwindet allmählich die Ölfunzel von den Straßen. Gas ist im kommen. Und nicht nur die Straßen sollen beleuchtet werden, auch die Wohnungen und Geschäftsräume. Dennoch war man nicht überall davon überzeugt. Viele Großstädte gingen dieses Wagnis nicht so schnell ein. Borna hatte das Glück einen innovativen und voraussehenden Bürgermeister zu haben, Carl Heinrich. Schon Anfang der 1860 plädierte er im Stadtrat für die Einführung der Gasbeleuchtung.
Um die Finanzierung eines Gaswerkes zu gewährleisten gründete man einen Aktienverein. Dies erfolgte am 14. Februar 1865 im Gasthof „Zum blauen Hecht“. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Bürgermeister Carl Heinrich, Stadtrat Theodor Hofmann, Rechtanwalt Friedrich Hoffmann und Baumeister Johann August Rose. 32000 Thaler hielt man für das notwendige Anfangskapital. Letztendlich wurden 540 Aktien zu 50 Thalern ausgegeben, wovon die Stadt Borna 60 Aktien selbst übernahm.
Als Bauplatz wurden die Pachtwiesen des Ritterguts Bockwitz am Breiten Teich ausgewählt. Das Werk wurde nach den Bauplänen des Leipziger Ingenieurs A. Gruner erbaut, der auch am 9. Mai 1865 die Bauleitung übernahm. Ausgeführt wurden die Bauarbeiten vom Baumeister Johann August Rose. Im August war das Gaswerk mit einem Gasometer für 335 m³ Gas soweit fertiggestellt, das man mit der Verlegung der Gasröhren beginnen konnte. Der gesamte Bau kostete 35000 Thaler. Am 7. November 1865 wurde der Betrieb der Gasanstalt eröffnet. Dennoch blieb das Werk noch bis 1866 ein Provisorium. Schon bald brannte die erste Gasbeleuchtung in Borna. Das Bornaer Wochenblatt berichtete wie folgt: „Borna, den 16. November 1865. Heute Abend erschien unsere Stadt zum 1. Male im Glanze der Gasbeleuchtung, es brannten 110 öffentliche Flammen in den Straßen, außerdem mehrere prächtige Illuminationssterne; in den Häusern aber 250 Privatflammen bei 45 Konsumenten ...“ Es dauerte nicht lange und das Kerzenlicht war aus den Haushalten verschwunden, jeder wollte, wenn er konnte, die neue Leuchtkraft. Auch der 1867 erbaute neue Bahnhof erhielt von Anfang an Gasbeleuchtung. Doch so überschwänglich man auch war, so ganz ohne war die Gasbeleuchtung nicht. Gerade in der Anfangszeit kam es zu schweren Unfällen. Zu einer größeren Gasausströmung kam im Februar 1870. Die Ursache war eine unsachgemäße Aufgrabung in der Wassergasse, wobei die Gasleitung beschädigt wurde. Dabei wurden Menschen in Lebensgefahr gebracht.
Das war nicht der erste Unfall dieser Art. Der Aktienverein musste Reagieren, sonst würde das Unternehmen zum scheitern verurteilt gewesen. Um Ausgrabungen in Zukunft vorzunehmen, benötigte man jetzt die Zustimmung von der Gasanstalt, dies war die Geburtsstunde des „Schachtscheines“, bis heute noch aktuell.
Obwohl das Gas in Borna im Vergleich zu anderen Städten sehr teuer war, stieg der Gasverbrauch in ungeahnte Weise. Der Gasometer reichte bald nicht mehr aus. Von daher beschloss man 1884 einen zweiten Gasometer aufzubauen. Dieser wurde nach dem System des Professor Intze in Aachen konstruiert und im Sommer 1865 in der Nähe des Holzmühlgrabens errichtet. Er konnte 600 m³ Gas aufnehmen.
1905 riss man den alten Gasometer von 1865 ab. Er war zu klein für die Ansprüche. Inzwischen war ganz Borna und Altstadt Borna mit Gasleitungen verbunden. Der neue Gasmeter, fasste 1200 m³ Gas und kostete 35000 Mark. Noch bis Anfang der 1990er Jahre war er ein markanter Punkt im Stadtbild Bornas.
Auch wenn der neue Gasometer für  eine gesicherte Gasversorgung sorgte, war doch das Gaszeitalter bald abgelaufen. Das elektrische Licht hatte die Zukunft und der Küchenherd wurde noch mit einheimischer Braunkohle befeuert. Wenn auch 1913 die Borna Straßenbeleuchtung neue Gaslaternen erhielt, so war doch die Glühlampe im Vormarsch.

Ansichtskarte vom Gaswerk Borna, um 1900
Ansichtskarte vom Gaswerk Borna, um 1900

   

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